Die Weiterentwicklung des ehemaligen ADAC-Standortes in der Mainzer Innenstadt verbindet den verantwortungsvollen Umgang mit vorhandener Bausubstanz mit neuen Perspektiven für Wohnen und Gewerbe.
Die Entwicklung innerstädtischer Standorte stellt besondere Anforderungen an Architektur und Planung. Neben der Schaffung neuer Nutzungsangebote geht es insbesondere darum, vorhandene Strukturen zu analysieren, Potenziale zu erkennen und diese sinnvoll weiterzuentwickeln. Der ehemalige Standort des ADAC Mittelrhein e. V. in der Großen Langgasse in Mainz bietet hierfür eine besondere Gelegenheit.
Das Architekturbüro ries+ries hat ein Konzept zur umfassenden Neugestaltung des Areals entwickelt. Ziel ist es, den seit Jahren ungenutzten Standort wieder einer zeitgemäßen Nutzung zuzuführen und gleichzeitig einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Mainzer Innenstadt zu leisten. Dabei steht nicht der vollständige Ersatz der vorhandenen Bebauung im Vordergrund, sondern die bewusste Verbindung von Bestand und Neubau.
Bestand als Ausgangspunkt, Neubau als Ergänzung
Das städtebauliche Konzept sieht die umfassende Modernisierung und energetische Aufwertung des bestehenden sechsgeschossigen Gebäudes vor. Der angrenzende zweigeschossige Flachbau wird hingegen durch einen fünfgeschossigen Neubau ersetzt. Auf diese Weise entsteht ein zusammenhängender Gebäudekomplex, der die vorhandene Struktur aufgreift und zugleich neue räumliche Qualitäten schafft.
Im Bestandsgebäude sind in den Obergeschossen Wohnungen vorgesehen, während das Erdgeschoss Raum für Einzelhandel und Gastronomie bietet. Der Neubau ergänzt das Ensemble entlang der Großen Langgasse und zum Maria-Einsmann-Platz. Die unteren drei Geschosse werden als flexibel nutzbare Gewerbeflächen entwickelt. In den darüberliegenden Geschossen entstehen weitere Wohnungen mit privaten Außenbereichen.
Die Kombination unterschiedlicher Nutzungen trägt dazu bei, den Standort wieder stärker in das innerstädtische Leben einzubinden. Dabei bildet die flexible Nutzbarkeit der Gewerbeflächen einen wesentlichen Bestandteil des Konzepts und schafft Spielraum für unterschiedliche zukünftige Nutzeranforderungen.
Nachhaltigkeit durch Weiterentwicklung
Ein wesentlicher Schwerpunkt der Planung liegt auf dem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Der Erhalt und die energetische Modernisierung des Bestandsgebäudes bilden hierfür einen wichtigen Ansatz. Ergänzend werden beim Neubau unterschiedliche Maßnahmen zur Verbesserung der energetischen und ökologischen Qualität berücksichtigt.
Eine modulare Holzfassade in den oberen Geschossen, großzügige Fensterflächen sowie begrünte Fassadenbereiche prägen die Gestaltung des Neubaus. Eine extensive Dachbegrünung und eine Photovoltaikanlage ergänzen das nachhaltige Gebäudekonzept. Beide Gebäudeteile werden zudem barrierefrei erschlossen.
Die architektonische Aufgabe bestand darin, die unterschiedlichen Anforderungen aus Bestand, Neubau, Nutzung und städtebaulichem Kontext zu einem schlüssigen Gesamtkonzept zusammenzuführen. Dabei wurde besonderer Wert daraufgelegt, vorhandene Qualitäten zu erhalten und durch gezielte Ergänzungen neue Entwicklungsmöglichkeiten zu schaffen.
Mit der Weiterentwicklung des ehemaligen ADAC-Standortes entsteht eine neue Perspektive für einen innerstädtischen Bereich, der Wohnen und Arbeiten miteinander verbindet. Das Projekt zeigt, wie durch die bewusste Kombination von Bestandserhalt, zeitgemäßer Architektur und flexiblen Nutzungskonzepten ein nachhaltiger Impuls für die Mainzer Innenstadt gesetzt werden kann.