Projektdetails
Was bedeutet es heute, Produktionsarchitektur neu zu denken? Welche Impulse können Gebäude geben – über ihre Funktion hinaus? Und wie lassen sich Nachhaltigkeit, technologische Exzellenz und industrielle Prozesse in einem kohärenten Konzept vereinen?
Diesen Fragen sind wir gemeinsam mit unserem Auftraggeber Topcon Positioning Systems im Rahmen ihres Neubauprojekts nachgegangen. In Geisenheim entsteht eine hochmoderne Produktionsstätte für den Bereich Topcon Electronics – ein Ort für Innovation, Präzision und Wachstum.
Als zukünftiger Hauptstandort für die Fertigung intelligenter Kabinendisplays markiert das Gebäude einen wichtigen Meilenstein in der europäischen Wachstumsstrategie des Unternehmens. Die neue Anlage ersetzt nicht nur den bisherigen Standort, sondern vereint zukünftig alle Betriebsbereiche unter einem Dach – auf einer Fläche von rund 8.300 m². Die jährliche Produktionskapazität kann dadurch gesteigert werden. Das neue Gebäude ist für insgesamt 328 Beschäftigte ausgelegt und berücksichtigt bereits das prognostizierte Wachstum des Unternehmens.
Die Planung reagiert sensibel auf die Topografie und die städtebaulichen Rahmenbedingungen des neuen Gewerbegebiets in Geisenheim. Der Entwurf integriert die Hanglage des Grundstücks und erfüllt die Vorgaben des Bebauungsplans – etwa hinsichtlich der Gebäudehöhen und definierten Luftschneisen. Die Anbindung erfolgt über eine private Stichstraße im Süden des Areals, flankiert von Stellplätzen und einer durchdachten Logistikerschließung.
Die Gebäudetypologie gliedert sich in drei Zonen: eine Lagerhalle mit Hochregallager und Kardex-System, einen zentralen Produktionsbereich mit Vorfertigung auf zwei Ebenen, sowie moderne Büroflächen in U-Anordnung über der Fertigung. Ein Innenhof auf dem Dach des ersten Obergeschosses dient nicht nur der natürlichen Belichtung und Entrauchung der darunterliegenden Fertigung, sondern fungiert auch als begrünter Aufenthaltsbereich – in direktem Anschluss an die Cafeteria - für Mitarbeitende.
Unsere Planung folgt dem Anspruch, hochkomplexe industrielle Anforderungen mit einem nachhaltigen architektonischen Konzept zu verbinden. Prozesse werden neu geordnet, Arbeitswege reduziert, Ressourcen geschont. Zwei Stege verbinden den Bürobereich baulich mit der Lagerhalle, wodurch kurze Wege und eine gute interne Vernetzung gewährleistet werden. Im zweiten Obergeschoss befindet sich eine großzügige Cafeteria mit Aufenthaltsflächen für bis zu 200 Personen.
Ein zentrales Element bildet die Nachhaltigkeit. Die Architektur verzichtet vollständig auf fossile Brennstoffe – stattdessen sichern zwei Luft-Wärmepumpen in Kombination mit einer großflächigen Photovoltaikanlage die Versorgung mit Wärme und Kälte. Die Beheizung und Kühlung erfolgt über ein effizientes Deckensystem. Extensive Dachbegrünung wirkt als Rückhaltungsfläche und verbessert das Mikroklima, während integrierte Entwässerungslösungen den Umgang mit Wasser ressourcenschonend gestalten. Zudem sorgen Ladestationen für E-Fahrzeuge, eine hohe Automatisierung der Produktionsprozesse sowie eine durchdachte technische Infrastruktur – inklusive Trafoanlage und Hohlraumböden mit Elektranten – für Zukunftsfähigkeit.
Für uns bei ries+ries ist dieses Projekt Ausdruck eines gemeinsamen Selbstverständnisses:
Architektur als funktionale Lösung – und zugleich als Haltung.
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